Criss Bellini - Wenn moderne auf klassische Kunst trifft

Flüchtling, schlechte Noten in der Schule, falsche Freunde, Drogen: wie aus einem perspektivlosen jungen Mann der angesagteste Online-Künstler Criss Bellini wurde.

“Art made for people who don’t settle for mediocrity.”, ist der Satz, der fällt wenn man Criss Bellini bittet, seine Kunst zu beschreiben. Mit Mittelmäßigkeit gibt der 32-Jährige Künstler, der seine Kunst für sich sprechen lassen möchte und deswegen anonym bleiben möchte, sich schon lange nicht mehr zufrieden. Seit 2019 ist er unter seinem alias unterwegs und das mit Erfolg. Wir haben uns mit Criss Bellini zu einem interessanten Interview verabredet, in dem er über seine Jugend, seine ersten Erfahrungen mit Kunst, seine Ziele und vieles mehr spricht.

 

 

 

From no one to someone

Fragt man Criss Bellini nach seiner Vergangenheit und seiner Jugend, spiegeln die Antworten eher die dunklen Jahre des heute 32 Jährigen wieder. Als kleiner Junge kam er damals als Flüchtling in eine kleine Stadt nach Schweden. Die Schule war wenig erfolgreich. Viel Ärger und ADHS führten zu Problemen, dazu kamen andere schwierige Umstände: Wenig Geld, fehlende Vorbilder und geringe Aufstiegschancen. All das führte dazu, dass Criss auf die schiefe Bahn geriet. “Die Leute, die in unserer Stadt damals Geld hatten, waren kriminell. Da wir sonst niemanden hatten, zu dem wir aufschauen konnten, waren es die Kriminellen, zu denen wir aufgeschaut haben”, so der Schwede. Mit zahlreichen Jobwechseln und dem Verkaufen von Drogen hielt Criss sich über Wasser. 

Der Moment in dem es “Klick” machte beschreibt Criss so: “Ich saß innerhalb eines Monats dreimal in einem Polizeiauto. Da habe ich gespürt: Dieses Leben ist nichts für mich, ich muss etwas ändern. Ich wollte die Menschen inspirieren und ein Zeichen setzen, auf eine gute Art und Weise.” Motiviert etwas neues zu beginnen zog Criss in eine neue Stadt. Da er schon als 12-Jähriger anfing zu malen und mit 17 mit dem Erstellen digitaler Kunst begann, startete er sein erstes Business, das zu seinen Fähigkeiten passte: er designte Uhren. Der Erfolg? Eher mäßig, wie Criss zugibt: “Es machte mir großen Spaß Uhren zu designen und sie herzustellen. Leider verkaufte ich kaum welche davon”. Auch ein anderer Versuch, bei dem er via Dropshipping sein Glück versucht hat ging schief.

Die ersten “Erfolge” konnte Criss einfahren, als er damit begann, erste Exemplare seiner Kunst bei Instagram zu teilen und bekannte Leute in Schweden zu markieren. Der Plan funktionierte: die ersten Berühmtheiten nahmen Kontakt zu ihm auf und Criss begann erste Bilder für sie anzufertigen. Die ersten Jahre war dies allerdings meist ohne nennenswerte Bezahlung der Fall. Gestärkt durch das positive Feedback und dem Dilemma, dass er keine “passende” Kunst für seine eigene Wohnung finden konnte, kam Criss die Idee zu seinem jetzigen Business: er vereint klassische Kunst mit Stilelementen aus Hip Hop und Straße. Heraus kommen dabei Kunstwerke wie eines seiner letzten Werke “The Last Deal”, bei dem er Da Vincis “Das letzte Abendmahl” neu interpretiert. Das der eingeschlagene Weg der richtige ist, wird Criss durch die Umsatzzahlen bestätigt.

 

 


 

Erschwinglich aber Exklusiv

Criss, der sich selbst als “kreativ, engagiert und hungrig nach mehr” beschreibt zieht seine Inspiration vor allem aus Dingen, die ihn selbst in seinem Leben sehr beschäftigen. “Eigentlich lasse ich mich von allem inspirieren, hauptsächlich aber von meinen Lebenserfahrungen, Musik, Filmen und anderen Künstlern. Ich motiviere mich selbst, indem ich denke, dass ich ein besseres Leben haben möchte als vorher und etwas auf dieser Erde hinterlassen möchte. Das kann ich durch meine Kunst”, erzählt Bellini. Genau diese Motivation möchte er dabei auch auf seine Kunden übertragen, wie man in manchen seiner Kunstwerke sehen kann. Außerdem ist es ihm wichtig, dass seine Kunst einfach zugänglich ist. “Ich war damals ziemlich unzufrieden, weil ich mir die Kunst, die ich cool fand nicht leisten konnte. Meine Kunst soll erschwinglich für jeden sein. Durch die maximale Anzahl von 250 Exemplaren bewahre ich mir trotzdem die Exklusivität in meiner Kunst. Das ist mir wichtig”, so Bellini.

Wenn er an einem neuen Design arbeitet kann es durchaus vorkommen, dass es Monate braucht, bis er es fertig stellt. “Manche Designs fertige ich in vier Stunden, andere brauchen vier Monate. Manchmal braucht die Inspiration einfach länger”, erzählt der 32-Jährige.

Erfolg kommt mit Originalität    

Der Schwede, der sich - sofern es die Arbeit zulässt - in seiner Freizeit seinen Freunden und seiner Familie widmet, ist sich sicher, dass es kein Zufall ist, dass er nach all den Jahren nun zu dieser Erfolgsstory gekommen ist. “Ich denke, wenn man das tut was einem gefällt und an sich selbst glaubt, dann funktioniert jeder Plan am Ende. Der Erfolg kommt mit Originalität”, so Criss, der auch für die Zukunft einige große Pläne und Träume hat. “Zuerst einmal möchte ich, dass ich mit Criss Bellini international noch bekannter und erfolgreicher werde. Um das zu erreichen, kommt demnächst auch Skateboard-Wandkunst von mir. Auch möchte ich gerne mit größeren Brands zusammenarbeiten und gemeinsam etwas entwickeln. Der große Traum ist es natürlich mit Künstlern wie Kanye West oder Virgil Abloh zusammenzuarbeiten.”

Dass es sich lohnt nie aufzugeben hat Criss Bellini bereits einige Male bewiesen und seine ambitionierten Ziele zeigen, dass er weiter dafür bereit ist, alles zu geben. Denn mit Mittelmäßigkeit gibt er sich schon längst nicht mehr zufrieden.