Normal Gets You Nowhere: Oliver Hüsing


Oliver Hüsing hat das geschafft, wovon viele Kinder träumen: Fußballprofi werden. Im “Normal Gets You Nowhere“ Podcast spricht Oliver über Werder Bremen, seinen Weg und die Umwege zum Profi, seinen Alltag als Berufsfußballer und über seine Projekte außerhalb des Fußballplatzes.

„Als Zehnjähriger war mein einziger Weihnachtswunsch, einmal ein Training mit den Werder Profis machen zu dürfen“, sagt Oliver zu Beginn des Podcasts. Dieser Wunsch und eine große Schwester, die versucht ihrem Bruder seinen Herzenswunsch zu erfüllen, sind der Startschuss für die Karriere des heute 28-Jährigen. Fußballerisch angefangen beim BV Bühren, schreibt seine Schwester einen Brief an Werder Bremen, mit Inhalt vom Wunsch des Bruders. Auf die Absage, dass es bei den Profis leider nicht möglich ist, folgt dennoch die Einladung zur damaligen U11 des norddeutschen Profivereins. „Als mir diese Nachricht am Weihnachtsabend erzählt wurde, konnte ich erstmal die nächsten zwei Stunden gar nicht reden und war kreidebleich“, so Oliver lachend. Die Sprachlosigkeit kommt nicht von ungefähr: Schon als kleiner Junge ist Oliver, der auf dem Bauernhof seiner Eltern in der Nähe von Diepholz aufwächst, mit dem „Werder-Virus“ infiziert. „Ich war damals schon riesiger Werder-Fan und hab alles gesammelt, Mützen Tassen, Schultüte von Werder“, sagt Oliver lachend. Nach drei oder vier Probetrainings kann Oliver die Coaches seines damaligen Lieblingsvereins überzeugen und es folgt der Wechsel zu Werder. Fortan folgen acht Jahre des Pendelns zwischen Diepholz und Bremen für fünf, sechsmal die Woche. Neben den zahlreichen positiven Erfahrungen, die direkt mit dem Fußball in Verbindung stehen, wie häufige Turniere in Europa oder auch in Asien, sind es für Oliver eher andere Dinge, die ihm im Kopf geblieben sind: „Was mich extrem geprägt hat, war, dass ich mit elf Jahren raus aus dem kleinen Dorf nach Bremen gekommen bin, wo so viele Kulturen, verschiedene Ansichten und verschiedene Hintergründe aufeinandertreffen. Dadurch bin ich enorm weltoffen geworden“, erzählt uns Oliver. Diese „Charakterschule“ ist es auch, die Oliver auch für all jene als positiv hervorhebt, die den Weg in den Profibereich nicht schaffen. „Das Leben in der Mannschaft lehrt dich so viele Dinge: Respekt im Umgang mit Menschen, Toleranz, sich an Regeln zu halten, als Team gemeinsam was zu erreichen. All das ist gleichbedeutend mit dem Sportlichen“, so der Profi über die prägende Jugendzeit. Als Oliver mit achtzehn Jahren nach Bremen zieht, wird aus dem Traum, es zum Profi schaffen zu können, das klar definierte Ziel, dem er nach der U19 dann mit dem Aufstieg in die U23 Mannschaft von Werder einen Schritt näher kommt.

Nach guten Leistungen in der Bundesliga-Reservemannschaft durfte Oliver dann bei den Profis trainieren. An diese aufregende Zeit erinnert er sich noch heute gut. „Ich saß wie eine kleine Maus in der Umkleidekabine und habe Leute wie Pizarro, Aaron Hunt, Arnautovic und Sokratis mit solchen Augen angeschaut. Im Nachhinein wäre ich aber gerne viel mutiger und selbstbewusster gewesen. Ich denke dann hätte für mehr Einsätze reichen können." Trotz regelmäßiger Trainingseinheiten reichten zu Beginn nur drei Bundesliga-Einsätze und die ersten „Umwege“ auf dem Weg zum Profi begannen. Der gelernte Innenverteidiger lernt ziemlich schnell, wie schnell einem diese Umwege über den Weg laufen können. „Ich bin damals gerade mit meiner Freundin umgezogen und dann kommt der Sportdirektor zu dir und sagt dir, dass du jetzt gehen sollst. Das war auf jeden Fall ein Lerneffekt, wie schnell das gehen kann.“ Nach einigen Angeboten aus der dritten Liga folgte der erste Wechsel nach Rostock, wo Oliver mit dem FC Hansa in der dritten Liga im Abstiegskampf stand, sich aber komplett an den Profifußball gewöhnte und nach einem halben Jahr zu Werder zurückkehrte. Nach einer guten Vorbereitung im Sommer und mit der Zusage, als dritter Innenverteidiger in die Saison zu starten, verläuft das Jahr für Oliver enttäuschend. Durch die damaligen leeren Versprechungen und das Pendeln zwischen erster und zweiter Mannschaft fehlt es an Konzentration und es folgt ein sportlich schwieriges Jahr. „Nach diesem Jahr war für mich klar, dass ich etwas Neues machen will und muss“, sagt Oliver über diese schwierige Zeit. Das neue Kapitel heißt nach diesem Sommer Budapest. Zum „FC Bayern“ aus Ungarn, Ferencvaros Budapest, holt ihn der deutsche Trainer Thomas Doll mit einem Jahr Verspätung, wie Oliver uns erzählt. „Die Stadt war der Wahnsinn, das Stadion der Wahnsinn, es waren allerbeste Bedingungen. Und auch wenn es sportlich nicht immer einfach war, hat es mir als Mensch enorm geholfen.“ Nach seinem einjährigen Auslandsaufenthalt wechselte Oliver erneut nach Rostock, wo er Kapitän wurde und den Spitznamen „Captain America“ erhielt. Nach zwei überaus erfolgreichen Jahren ist es Zeit für einen weiteren Schritt nach vorne: 2. Liga, FC Heidenheim. In der 20. Saison klopfte Oliver beim baden-württembergischen Zweitligisten an die Tür der Bundesliga und scheiterte erst in der Relegation, ausgerechnet gegen Werder Bremen.Mit mittlerweile über 260 Profieinsätzen unangefochtener Stammspieler, erklärt Oliver, worauf es ihm ankommt seinen Job: „Das Wichtigste ist immer, weiterzumachen. Bleiben Sie bei sich, bereiten Sie sich gut vor, fassen Sie nach, seien Sie diszipliniert. Diese Sätze sind leicht gesagt, aber es kommt darauf an“, sagt Oliver, der auch mit dem Klischee aufräumt, dass Profis ihre Freizeit nur mit Playstation spielen. „Ich mache mein Neuro-Athletik-Training, Yoga, Atemübungen, Meditationen zu Hause.

Das gehört alles dazu. Einerseits brauche ich es für mein Spiel, aber auch, um mich als Mensch wohlzufühlen“, sagt Oliver, der dann mit einem Augenzwinkern meint, „vielleicht brauche ich es einfach, weil ich nicht so viel Talent habe. Oliver spielt derzeit in seiner dritten Saison beim FC Heidenheim und gehört unter Trainer Frank Schmidt erneut zum erweiterten Kreis der Favoriten auf den Aufstieg in die erste Spielklasse. Olivers Aktivitäten abseits des Fußballplatzes beweisen, dass er auch andere wichtige Dinge im Leben im Auge behält. Einer davon ist sein eigener Fußballverein Fums United, der zusammen mit dem Fußballmagazin Fums gegründet wurde. Der in Bremen gegründete Verein besteht derzeit aus drei Mannschaften: einer Herren- und einer Damenmannschaft, sowie einer Inklusionsmannschaft, die das „Aushängeschild“ des Bremer Vereins ist und voraussichtlich nach Corona in der bunten Liga mitspielen wird. „Da schlägt das Herz einfach höher“, sagt Oliver lapidar auf die Frage nach „seinem“ Verein, der auch eng mit der Lebenshilfe Bremen zusammenarbeitet. Aber das ist nicht das einzige Projekt, an dem Oliver beteiligt ist. Ebenso wichtig sind ihm Projekte mit Altenheimen oder Projekte für das Trauerland Bremen, das sich um Kinder kümmert, die Angehörige verloren haben. Wer denkt, dass das jetzt reichen muss, der irrt bei Oliver. Denn neben seinem beruflichen Leben und seinem gesellschaftlichen Engagement hat er nun auch ein Bachelor- und ein Masterstudium an der Universität Oldenburg bzw. der Hochschule Wismar absolviert. In einem auf Leistungssportler ausgerichteten Studiengang stechen auch hier Olivers Begegnungen und Geschichten mit anderen Sportlern hervor. Auch das Thema seiner Bachelorarbeit zeigt, dass Oliver ein Querdenker ist. „Ich habe mir das Weiterbildungsverhalten in der 3. Liga angeschaut“, sagt Oliver, der sich damals die Frage gestellt hat, wie sich Fußballer, die sich im Profifußball engagieren, aber auch keine Millionen verdienen, auf die Zeit nach der Profikarriere vorbereiten . „Überraschenderweise machen viel mehr als man denkt, etwas nebenbei“, sagte Oliver.
Nach seiner Zukunft gefragt, macht sich der Heidenheimer Profi, dessen Vertrag im Sommer 2022 ausläuft, noch nicht allzu viele Gedanken. „In erster Linie möchte ich eine tolle Saison spielen und jeden Tag genießen. Mein Traum ist es natürlich, wieder in der Bundesliga zu spielen. Langfristig wäre es auch cool, noch ein Jahr in den USA zu spielen“, sagt Oliver weiter das Thema Fußball. Auf die Frage nach seinen Plänen nach seiner Karriere ist Oliver noch nicht ganz sicher, wie sein Weg aussehen wird. „Ich könnte mir schon vorstellen, im Management zu arbeiten. Andererseits komme ich aus der Landwirtschaft und wäre cool, einen eigenen autarken Hof zu haben, ein paar Schafe zu haben, eigenes Gemüse anzubauen. Muss ich aber nicht wissen es noch", schließt Oliver.
Im Gespräch mit Oliver merkt man, dass er sehr nachdenklich über seinen Job und die Chance, Profi zu werden, nachdenkt. Sein soziales Engagement beweist, dass es auch Größeres gibt als Fußball. Seine sympathische Art macht Oliver zu einem inspirierenden Menschen und wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

“Diese und weitere inspirierende Stories kannst du dir jetzt auch als Podcast anhören! Auf normalgetsyounowhere.de findest du alle Folgen mit Links zu den gängigen Podcast-Plattformen. Viel Spaß beim Hören!”