Normal Gets You Nowhere: Bahne Beliaeff

“Mein Ziel ist es, der beste Kameramann Deutschland zu werden” - dieser Satz stammt von Bahne Beliaeff. Dieses selbstbewusste und ambitionierte Ziel macht neugierig. So neugierig, dass Melvin und Bahne sich zum Podcast verabredet haben, um über seine Story, seine Anfänge und den heutigen Stand zu sprechen.

Wenn der 23-Jährige, aufgewachsen in Husum, über seine Anfänge spricht, dann spielt ein Erlebnis aus seiner Schulzeit und ein Video auf YouTube eine große Rolle. “Ich war damals mit 12, 13 Jahren in einer Schülerband und wir sollten von Eminem “Sing for the Moment” rappen. Ich hab’s verkackt und hab mir bei YouTube dann Eminem Videos angeschaut. Als ich ein Video von der “Up and Smoke Tour” gesehen habe, wusste ich: Ich will Rapper werden! Und so habe ich dann angefangen selbst zu rappen und Videos zu drehen” sagt Bahne über den Start seiner Leidenschaft.
IIn einem Alter, in dem die meisten sich keine großen Gedanken über die Zukunft machen oder keine groben Vorstellungen von ihrem späteren Beruf haben, weiß Bahne bereits im Alter von 15 genau was er will. “Ich hab einfach damals schon gesagt, dass ich der beste Kameramann werden will. Diese frühe Zielrichtung ist auch der Grund, warum ich mit 23 schon sagen kann, ich hab’ schon viele meiner Ziele erreicht, einfach weil ich früh wusste, wo es hingehen soll”. Ziele, die er dann genauer definiert. “Ich wollte immer für die großen Labels und die größten Rapper drehen. Die letzten zwei Jahre ist es dann passiert”, so Bahne, der fortführt, “Wenn du zum Beispiel mit MoTrip am Set bist, den du seitdem du 13 bist hörst und der dann Bock hat was mit dir zu drehen, dann ist das natürlich krass”.

Enttäuschung und Zweifel als Chance

Für Bahne steht nach dem Abi mit 19 der Umzug nach Hamburg an. Nachdem er in einem Fotostudio für High Fashion Produktionen eine Ausbildung beginnt, merkt er schnell, dass der Alltag in der Fashion Welt nichts für ihn ist. “Ich war einfach unglücklich und dachte mir, “fuck, du bist für diese Medienwelt nicht gemacht”. Über ein paar Ecken habe ich dann eine Filmproduktion kennengelernt, die viel für Warner Music gemacht hat und ich habe dann nach drei, vier Monaten meinen Ausbildungsbetrieb gewechselt”, so Bahne, der die Zeit als sehr spannend beschreibt. “Das Team bestand aus alten Schulfreunden. Ein Grafiker, ein Regisseur, ein Editor. Ich hab in den drei Jahren alles erlebt: Eine Hochphase, eine Downphase und hab so viel mitgenommen. Und alle sind bis heute Freunde von mir”. Aber auch die negativen Seiten, die so ein familiäres Umfeld mit sich bringen, beschreibt Bahne “Wir konnten uns nicht streiten. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, konnte mir mein Chef es nicht sagen und ich ihn nicht ernst nehmen, weil wir halt Buddies waren”, so Bahne rückblickend.
Nach der Ausbildung stellt er sich die Frage wie es weitergehen soll. “Ich konnte mir nie vorstellen als Freiberufler zu arbeiten, deswegen wollte ich studieren gehen. Aber als ich dann eines Abends beim Wäsche aufhängen auf dem Balkon über Hamburg geschaut habe, war mir klar: Ich bin noch nicht fertig mit dieser Stadt”, so Bahne, der dann Anfang 2020, kurz vor Ausbruch der Corona Pandemie, den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. “Der Start war halt echt Arschkarte, ich hab alle meine Reserven geopfert und hatte dann keinen Cent mehr. Dann wurden meine ganzen Jobs bis Juni abgesagt. Aber unterm Strich hat es mich nicht aus der Ruhe gebracht” so Bahne.

"Die ganze Branche verändert sich und da fühle ich mich sehr wohl"

Nach der Zeit in der Musikvideo-Welt, folgt für Bahne der Wechsel in die Werbebranche. “Werbung ist nicht mehr das, was es vor ein paar Jahren war. Die ganze Branche verändert sich und da fühle ich mich sehr wohl”, so der 23-Jährige. Ein anderer Grund, warum Musikvideos derzeit nicht seine Hauptpriorität genießen, sind die vielen leeren Versprechungen, die in dieser Szene an der Tagesordnung stehen. “Ich hab unzählige Jahre Lehrgeld gezahlt. Ich habe teilweise von meinem eigenen Geld Equipment gemietet und mir wurde immer gesagt “wir sind ein Team” und dann hört man monatelang nicht voneinander. Auch andere Enttäuschungen zählen dazu. Wahrscheinlich könnte ich eine eigene Podcast Folge über diese Momente machen”, so Bahne lachend, der aber auch solchen Rückschlägen etwas positives abgewinnt. “Ich bin derzeit glücklich, dass es so gut läuft, aber gerade dann wenn man scheitert, verändert man sich und man arbeitet an sich”, sagt er und betont, dass er solche Rückschläge oft mit sich selbst ausmacht und über die Jahre gelernt hat, auf wen er sich verlassen kann.

"Warum sieht es nicht aus wie bei Drake?"

Angesprochen auf die größten, teuersten oder aufwendigsten Projekte in seiner bisherigen Laufbahn, wird Bahne ausführlich. “Klar, viel Budget macht viel möglich. Aber am Ende entscheidet es nichts darüber, das etwas mit viel Budget besser ist. Wenn du Leute hast, die ihr Herzblut in das Projekt stecken, dann kannst du auch mit wenig Budget was großartiges machen”, erzählt Bahne, der dann aber auch die positiven Seiten eines großen Budgets hervorhebt und leise Kritik an den Musikvideos äußert. “Du kannst bei größeren Produktionen einfach mit einer Leichtigkeit ran gehen und freier agieren. Die Kosten für extra Equipment und Locations zahlt man einfach. Bei den meisten Musikvideos ist es allerdings so, dass du 5.000€ in die Hand gedrückt bekommst und die Leute wollen einen Lambo, eine Villa, Tänzerinnen, teure Klamotten und am besten an zwei Tagen drehen. Was die meisten dann nicht sehen ist, dass man nach 22, 23 Stunden Dreh, das ganze auch noch geschnitten wird und man am Ende mit 500€ nach Hause geht. Und dann beschweren sich die Leute hinterher, wieso das Video nicht wie das von Drake aussieht”, so Bahne leicht enttäuscht.

"Plan? Überhaupt nicht."

Wenn man ihn fragt, ob er eine Strategie verfolgt, um an sein Ziel zu kommen, antwortet Bahne schnell und direkt mit “überhaupt nicht”, holt dann aber weiter aus: “Ich bin der chaotischste Mensch der Welt und lass mich eigentlich nur von meinem Bauchgefühl leiten und Stand jetzt, hat es mich bisher noch nicht enttäuscht. Wichtig ist einfach der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und ich weiß, ich bin in 20 Jahren da, wo ich sein will”.
Bahne, der in seinem Leben durch seine Ausbildung und seinen Beruf schon in viele verschiedene Bereiche reinschauen durfte, ist es wichtig in Zukunft noch mehr im Team zusammenzuarbeiten. “Das Wichtigste, um weit zu kommen, ist Sachen aus der Hand zu geben an andere, die besser sind als du selbst.”
Wie der klassische Arbeitstag von einem Kameramann aussieht, haben wir uns gefragt. Die Antwort darauf gibt Bahne so: “Mein Arbeitsleben ist immer extrem. Du hast ab und zu Produktionstage, wo du 18, 19 Stunden am Stück drehst und du dir in der Mittagspause nur ein Stück Pizza reinhaust und dann gehts weiter. Aber es gibt natürlich dann auch Tage, wo ich lang schlafe und dann erstmal ne Runde Kaffee trinken gehe”, so Bahne mit einem Lächeln im Gesicht.

„Ich liebe den Job“

Zum Ende des Gesprächs merkt man noch einmal, mit welcher Leidenschaft Bahne seinen Beruf verfolgt. “Am Ende ist es nicht nur ausschlaggebend, wie das Video aussieht, sondern auch der Weg wie man dorthin kommt. Man schreibt ein Konzept, man arbeitet daran, man dreht, man streitet sich. Und am Ende hast du einen Film, eine Minute oder 30 Sekunden und du denkst dir “Das haben wir gemacht”. Und das ist es, was ich an diesem Job so begehre und liebe”, so Bahne, dem man seine Begeisterung in jedem Satz anmerkt und bei dem man sich sicher ist, dass es auch in 20 Jahren noch so sein wird und dem wir alles Gute dabei wünschen, der beste Kameramann Deutschlands zu werden.