Normal Gets You Nowhere: Katja Kuhl

Vor ihrer Kamera stehen regelmäßig bekannte Persönlichkeiten: Moses Pelham, Fler, Celo & Abdi, Fahri Yardım, 50 Cent sind nur wenige Namen von vielen, die Katja Kuhl durch ihre Linse gesehen hat. Neben ihrem Beruf als Fotografin ist Katja auch als Regisseurin und für die Werbebranche tätig. Wir haben uns mit Katja zum Podcast getroffen und uns unter anderem über ihre Anfänge als Fotografin, die Herausforderungen ihrer Arbeit und ihr Verständnis von Individualität unterhalten.

 

"Ich möchte die coolen Fotos von den coolen Leuten machen".

 

… sagt Katja zu all jenen, die damals wenig begeistert waren von ihrem Entschluss Fotografin zu werden. „Katja du landest im Passbildstudio“, „Fotografin, was ist denn das für ein Beruf?“ sind die Sätze, die sie hört, als sie ihre Entscheidung mitteilt. Heute kann man sagen, dass sie es geschafft hat. Seit über 20 Jahren ist Katja erfolgreiche Fotografin und Rapper wie Fler, 50 Cent, Celo & Abdi gehören genau so zu ihrem Portfolio, wie Schauspieler wie Fahri Yardim, Edin Hasanovic oder Richy Müller. Dabei sieht sich Katja nicht als die klassische Promi-Fotografin: „Ich fotografiere Menschen“, sagt sie. „Mir ist es egal, ob jemand berühmt ist oder nicht, ich schenke denjenigen die gleiche Aufmerksamkeit und dem Foto die gleiche Ernsthaftigkeit“.

Von der Apotheke ins Fotostudio

Anfangs sieht ihr Lebensplan eigentlich ganz anders aus. Aufgewachsen in Aschaffenburg beginnt Katja nach dem Abitur eine Lehre in einer Apotheke, um in Anschluss Pharmazie zu studieren. In die Quere kommt Katja dabei der Kauf ihrer ersten Kamera, kurz vor dem Abitur. Aus dem Hobby entwickelt sich schnell eine Leidenschaft und die bisherigen Pläne werden über den Haufen geworfen. „Als ich meine Lehre angefangen habe, merkte ich, dass ich das so ungerne mache und das so langweilig ist, dass es nicht das ist was ich mir vorgestellt habe“. Nur sechs Wochen nach dem Beginn der Lehre bricht Katja diese ab. „Ich habe nur ans Fotografieren gedacht und bin abends nach Hause gegangen und hatte schlechte Laune“, erzählt uns Katja, die sich daraufhin entscheidet, sich nach einer Ausbildung zur Fotografin umzuschauen. „Ich habe den Entschluss gefasst und bin in der Mittagspause losgegangen zu den Fotografen und habe gefragt. Einer der letzten, den ich gefragte habe, hat zugesagt“. Den Schritt zur Ausbildung als Fotografin sieht Katja dabei als Manifestation ihrer Entscheidung. „Ich habe nicht erwartet, dass mein Chef mir etwas beibringt. Ich hatte meine Vision und bin allen Leuten auf die Nerven gegangen mit meinem übertriebenen Selbstbewusstsein und habe allen gesagt, dass ich reich und berühmt werden will, aber mir ging es nicht um Ruhm oder Geld, sondern es war einfach ein Synonym meiner Ernsthaftigkeit“, erzählt Katja. Auch in der Berufsschule stößt Katja nicht nur auf positives Feedback - ein Lehrer glaubt jedoch an sie. „So Menschen wie der Frank Freihofer (Lehrer, der ihr Mut zugesprochen hat) sind wichtig, die zwei anderen verstehe ich aber auch. Ich habe Porträts mit dem Weitwinkel gemacht, mich hat das technische Zeug und der Unterricht nicht interessiert, ich kam permanent zu spät. Ich hätte mich als Dozent wahrscheinlich selbst gehasst“, so Katja über ihre Schulzeit.

Vom Fotostudio an die Universität

Nach der Lehre folgt dann der Umzug nach Berlin - wo Katja bis heute wohnt - um an der Hochschule der Künste ihr Studium zu beginnen. Bis Anfang 2020 steht Katja sogar selbst vor Studierenden und unterrichtet Videografie an der Hochschule der populären Künste. Den Unterschied zu ihrer Zeit im Studium beschreibt sie so. „Was mich total irritiert hat, war, dass die so wenig von dem haben, was ich für richtig halte - der eigene Antrieb und das Verantwortung übernehmen. Das hat mich ein wenig frustriert“, so die ehrgeizige Fotografin, die auch während ihrer Zeit im Studium schon die ersten gut bezahlten Jobs an Land zieht.

Von der Universität in die Welt

Heute arbeitet Katja laut ihrer Aussage „sehr viel und jeden Tag“. Die Arbeit und die Vorbereitung auf die verschiedenen Personen läuft dabei unterschiedlich ab. „Es ist ein Prozess bei dem ich immer noch dazulerne, was ich machen muss, um zu bekommen was ich gesehen habe. Es fühlt sich manchmal an wie ein Kampf, den ich zwar immer gewinne, aber der manchmal sehr anstrengend ist, aber ich probiere auch oft neue Sachen aus, um das zu bekommen was ich möchte”, erzählt Katja zu ihrer Arbeit mit den unterschiedlichsten Charakteren.

Dabei ist sie die meiste Zeit eine Art One-Man-Show. Diese wird bei einem weiteren Arbeitsfeld dann aber zur Teammission: Die Regie. Der Drang nach mehr als nur zu fotografieren kam bei Katja in den 90er Jahren. „Ich habe das Bedürfnis gehabt, mehr erzählen zu wollen und ich wusste nicht, wie ich das in meine Fotos packen sollte“, spricht Katja über ihre damaligen Gedanken, die sie heutzutage aber auch wieder anders sieht. „Ich glaube, heute kann ich auch viel über ein Foto sagen, aber das ist glaube ich ein Teil der Entwicklung“, erzählt Katja. Dass sie auch in diesem Bereich erfolgreich ist, zeigt ihre Vita: Napalm von Azad, Bilder im Kopf von Sido, Backstein von Moses Pelham sind nur einige von vielen Beispielen.

Azad - Napalm/blog.katjakuhl.de

Azad - Napalm/blog.katjakuhl.de

Auf die Frage nach ihrem bisher spannendsten Projekt, holt Katja ein wenig aus. „Ich habe viele Projekte, auf die ich stolz bin, aber auf eines bin ich aus vielerlei Gründen stolz: Die Kampagne für die Netflix Serie Dogs of Berlin“, so Katja, die dann die Gründe dafür erklärt „in den 2000ern habe ich viele Rapper fotografiert und Ende der 2000er habe ich für seventyseven (Streetwear-Shop) Rapper fotografiert. Für diese Fotos wurde ich belächelt und ich habe gemerkt, dass ich nicht erst genommen werde, was ich sehr schade fand. Als dann vor ein paar Jahren die Nachricht von Netflix bekommen habe, weil ich diese Rapper fotografiert habe und diese Bildsprache geprägt habe und sie genau diese Bildsprache haben wollten, fühlte es sich wie ein „Late-Payout“ an“, so Katja sichtlich stolz auf ihr größtes Projekt.

Dogs of Berlin/blog.katjakuhl.de

Berliner Hunde / blog.katjakuhl.de

Spricht man mit Katja über ihre Arbeit, kommt man am Thema Individualität nicht vorbei. „Ich suche die Individualität in dem Menschen und möchte die Schönheit jedes einzelnen erkennen, zeigen und präsentieren und das lebt von der Individualität der Person, aber auch mein individueller Blick auf die Sache ist entscheidend“, so Katja abschließend.

 

Das gesamte Gespräch mit Katja Kuhl findest du als Podcast auf allen gängigen Plattformen.