Ruhe in Frieden, Karl - Zum Tod von Karl Lagerfeld

Am Dienstag stand die Modewelt für einen Tag still. Karl Lagerfeld, für viele der berühmteste Designer der Welt, starb im Alter von 85 Jahren. Ein Rücktritt war für Lagerfeld nie eine Option, wie er vor vier Jahren in einem Interview erzählte. Dafür war er viel zu beschäftigt. Karl der Große wird mit dem 19.02.2019 wohl auch nicht in Rente gegangen sein. Er selbst würde wohl sagen, er habe seinen Arbeitsplatz nur woanders hin verlegt.

Von Hamburg in die Welt

Karl Lagerfeld wurde am 10. September 1933 in Hamburg geboren. In der Hansestadt blieb Karl, der als einziger in der Schule mit Hemd und Krawatte kam (und nicht wie ich in Jogginghosen und damit völlig ohne Kontrolle über mein Leben), nicht lange. 1953 zog er mit seiner Mutter nach Paris, die Stadt, die bis zuletzt auch sein Lebensmittelpunkt war. Ein Jahr später feierte er seinen ersten großen Erfolg. Bei einem Wettbewerb wurde einer seiner Entwürfe für einen Mantel mit dem ersten Preis ausgezeichnet. In einer anderen Kategorie, Yves Saint Laurent gewann, der zuerst ein Freund und später ein großer Konkurrent wurde. Dieser Erfolg bescherte Lagerfeld seinen ersten Job. Das Pariser Modelabel Balmain ließ seinen Mantel für eine eigene Linie produzieren und Lagerfeld begann dort eine Schneiderlehre.

Von Fendi bis Coca Cola

Im Laufe der Jahre arbeitete Lagerfeld für viele große Namen der Modewelt. Der Name Lagerfeld wird jedoch meist mit Fendi und insbesondere mit Chanel in Verbindung gebracht. So arbeitete er seit 1965 für Fendi und war sogar der Designer fast aller heute bekannten FF-Logos. Der größte Erfolg, der ihm zugeschrieben wird, ist jedoch das Erwachen von Chanel aus ihrem Dornröschenschlaf. Während Chanel vor der Gründung 1984 von älteren Damen getragen wurde, entwickelte Lagerfeld das Unternehmen zu einer modernen und frischen Luxusmarke. Unvergessen bleiben seine verrückten, kreativen und vor allem neuen Ideen der Locations und der Präsentation der verschiedenen Modenschauen. So ließ er seine Models einmal durch einen nachgebauten Supermarkt oder durch die Hamburger Elbphilharmonie laufen. Aber auch außerhalb der Luxuswelt wusste Lagerfeld, wie man interessante Kooperationen eingeht. 2004 in Zusammenarbeit mit HMkreierte Lagerfeld eine eigene Kollektion, der in den folgenden Jahren viele Kollabos mit anderen Designern folgten. Eine weitere Zusammenarbeit entstand mit Coca Cola, für die er seine eigene Cola-Flasche entwarf.

Provokation und Selbstinszenierung standen ihm gut

Seine Mutter sagte zu Beginn seiner Karriere, als er mit seiner Mode schon Millionen verdient hatte: "Du hättest mehr aus dir machen können, aber mit deinem Mangel an Ehrgeiz ist es okay, was du gemacht hast. Da würde Frau Lagerfeld niemand widersprechen." Wenn man auf seine lange Karriere zurückblickt, müsste nur ein Wort verbessert werden. Karl Lagerfeld war ein Provokateur, der mit seinen Aussagen oft auf Unmut und Beleidigung stieß. Er war ein Meister der Selbstinszenierung, denkt man an seine immer das gleiche, aber unverwechselbare Outfit. Aber vor allem wird er als Ikone und Genie in Erinnerung bleiben. Sein Mut, aus voller Überzeugung neue, andere Wege zu gehen, war der Schlüssel zu seinem Erfolg und machte ihn unsterblich. Er selbst sagte einmal: "Ich finde es ist besser, wenn sich die Leute im Grab umdrehen, als für immer zu ruhen.“ Der Mythos von Karl Lagerfeld wird wahrscheinlich nie ruhen, und Lagerfeld selbst sollte auch nie ruhen. Denn es wartet noch genug Arbeit auf ihn: Seit Dienstag tragen alle Engel Chanel...

 

P.S.: Ich selbst lebe seit Jahren nach einem Zitat von Karl Lagerfeld. Er sagte einmal: "Du musst das Geld aus dem Fenster werfen, damit es wieder in die Tür kommt." Wie Sie damit fahren und wie Sie es interpretieren, bleibt Ihnen überlassen. Für mich bedeutet dieses Zitat jedoch vor allem Spaß am Leben. Danke Karl.