Im Porträt: Shirin David

Shirin David gehört heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Frauen im öffentlichen Leben und es scheint, als wird alles zu Gold, was sie anfasst. Gestartet als YouTuberin, schafft sie es heute, sich in einer von Männern geprägten Rap-Welt durchzusetzen und ist für viele junge Frauen ein Vorbild.


„Ass out Daisy Duck, keiner sagt mir was ich darf“ - Eine Line aus Shirins Single „Ich darf das“. Eine Line, die treffender wahrscheinlich nicht sein könnte, wenn man versucht Shirin und ihr Leben zu beschreiben. Eine Line, die sinnbildlich für Shirins Selbstverständnis steht. Ein Selbstverständnis, das jungen Frauen Mut gibt sich nicht zu verstecken.

“Und übrigens: Barbies echter Name ist Barbara”

Geboren am 11. April 1995 in Hamburg und aufgewachsen in Hamburg Bramfeld, legt Shirin, die eigentlich Barbara Schirin Davidavičius heißt, schon früh den Grundstein für ihre heutige Karriere. Sie lernt schon als Kind das Spielen von Instrumenten, darunter Klavier, Geige und Oboe. „Nebenbei“ tanzt sie auch noch Ballett und tritt dem Hamburger Mädchenchor bei. Man könnte meinen, Shirin hat schon als kleines Kind ihre eigene Karriere-Route genau gezeichnet. „Sie hat sich ihr ganzes Leben auf das jetzt vorbereitet“, sagte ihre Schwester einmal und bestätigt damit diesen Gedanken. Und nicht nur die Musik spielte schon früh eine Rolle bei der heute 26-Jährigen, sondern auch ihr auffälliger Style begann schon in jungen Jahren: Die ersten High Heels in der fünften Klasse, die erste in der Klasse, die einen BH trug, die erste mit aufgeklebten Nägeln und Lippenstift. Nach ihrer Ausbildung in Gesang, Schauspiel und Tanz an der „Jugend-Opern-Akademie“ in Hamburg startet Shirin 2014 im Alter von 19 Jahren mit ihrem eigenen YouTube-Channel. Zwischen Comedy-Videos, Beauty-Tutorials und Follow-Me’s schafft sie es sich schnell ihre eigene Fanbase und Community aufzubauen. Diese Community zählt heute allein bei Instagram 5,2 Millionen.

Von YouTube zu DSDS

Der Weg zur ersten Gold-Rapperin nach Sabrina Setlur begann 2015 mit der Single „Du liebst mich nicht“, die sie zusammen mit Ado Kojo rausbrachte. Ironischerweise war es ein Remake eines Songs von eben genannter Sabrina Setlur. Nach der ersten eigenen Musikauskopplung und ihrer immer größer werdenden Bekanntheit, wurde Shirin 2017 Mitglied in der Jury bei DSDS. Eine Zeit, die sie laut eigener Aussage sehr abgehärtet hat, „unaussprechliche Twitterkommentare“ standen in der Zeit an der Tagesordnung, so Shirin in einem Interview mit der Vogue.

"Supersize Me" stürmt die Charts.

2019 kam Shirins Debütalbum „Supersize“ auf dem Markt. Ein Album, das ganz anders klang als ihr erster Charterfolg 2015. Ihre Single „Gib ihm“ setzte die ersten Statements ihres eigenen Selbstverständnisses. Lines wie „Manche gucken komisch meinen, dass mein Kleid zu kurz ist, Ich bin nicht halb nackt, bin nur halb angezogen!“ sprechen für sich. Und auch die Streamingzahlen sprechen hier ihre eigene Sprache: Über 60 Millionen mal gespielt auf YouTube, knapp 60 Millionen mal auf Spotify. Auch hier ist Shirin in ihrer eigenen Liga angekommen. Dabei macht sie keinen Hehl daraus, dass sie ihre Songs nicht nur selbst schreibt. Künstler wie Laas, Eko Fresh oder Takt32 helfen ihr beim Schreiben, wie sie auf ihrem Song „Lieben wir“ mit der Line “Mit wem ich Songs schreib? (Bitch, do your research)“ bestätigt. Dass sie trotz der Hilfe beim Schreiben von Songs dennoch ihre eigene Vorstellung von Musik und ihre Prinzipien hat, zeigen Absagen von Features oder Streitereien in der Szene, wie z.B. mit Shindy, aufgrund der Veröffentlichung eines Songs ohne ihre Erlaubnis (mittlerweile haben sich die beiden wieder vertragen).

"Uns wurde viel zu lange gesagt, wie wir uns zu benehmen haben."

Shirin polarisiert und provoziert mit ihrer Musik, ihren Texten und ihrem Aussehen. Sie geht offen mit ihren Schönheits-OP’s um, benutzt die Stilmittel im Rap, die sonst nur Männer benutzen. „Wenn Männer über Frauen auf sehr sexuelle Art und Weise rappen, dürfen wir das auch über sie. Uns wurde viel zu lange gesagt, wie wir uns zu benehmen haben“, sagte Shirin einmal in einem Interview mit der Vogue. Dabei sagte Shirin auch etwas über ihr Aussehen: “Aber darf ich dann nicht mein Make-up tragen, wie ich will, ohne kritisiert zu werden? Mich operieren lassen, um so auszusehen, wie ich will? Nicht ungeschminkt sein, damit ich mich schön finde? Ich liebe meine Weiblichkeit. Wir sind Frauen, wir sind fruchtbar, wir sind sinnlich, wir sind schön”, so Shirin, die damit zwar auch Angriffsfläche bietet, aber letztlich nur ihre Vorstellungen beschreibt und auslebt. Auch US-Rapperinnen wie Lizzo sind dabei eine ihrer Inspirationen. Genau dieses Selbstbewusstsein und die Offenheit man selbst zu sein, egal wie dies aussehen mag, macht Shirin zu einem Vorbild für eine junge Generation an Frauen. Sie versucht veraltete Denkweisen und Vorstellungen aufzubrechen und setzt sich damit auch noch erfolgreich durch. Dass sie damit nicht nur deutschlandweit wahrgenommen wird, zeigt eine Kooperation für Rihannas Unterwäsche-Label „Savage x Fenty“.

Aktuell arbeitet Shirin an ihrem zweiten Studioalbum, das aufgrund der Arbeit an ihrem eigenen Eistee "Dirtea" verschoben werden musste. Aber, wenn wir eines über Shirin gelernt haben, dann: "Sie darf das".