The Hype is Real or Don’t Believe the Hype – Ein Kommentar zum Coachella Festival

Der Trubel im kalifornischen Indigo ist vorbei, der Instagram-Wahnsinn beruhigt sich, die Bilder im Feed vom Sonnenuntergang vor dem Riesenrad werden weniger. Das Coachella-Festival 2019 ist vorbei. Kaum ein Festival wird so gehypt (vielleicht auch überhyped?!) wie das Coachella. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich keine Lust dazu habe. Andererseits scheint es genügend Gründe zu geben, die einen Verzicht auf das Festival rechtfertigen würden.

 

Der Plan für den wöchentlichen Blog war eigentlich anders. Da ich über die Coachella schreiben wollte, es aber cool fand, Informationen aus erster Hand zu haben, kontaktierte ich einige Influencer, die auf der Coachella waren, um nach einem Beitrag zu fragen. Da manche einen Blogbeitrag vielleicht mit dem Schreiben einer Doktorarbeit verwechselt haben und nach "Mondsummen" gefragt haben - was ja auch okay ist, denn es gibt Firmen die dafür bezahlen - versuche ich mal etwas über das Festival zu schreiben als jemand, der noch nie dort war die Coachella.

 

Coachella: „Started from the bottom now we’re here“

 

Wenn man sich die Geschichte von Coachella anschaut, finde ich, dass Drakes Zeile "Von unten begonnen, jetzt sind wir hier" passt.

Angefangen hat alles an einem Wochenende im Oktober 1999 mit Headlinern: The Chemical Brothers und Wut gegen die Maschine. Ticketpreis damals: 50 Dollar. Zuschauer damals: 25.000.

Im nächsten Jahr musste das Festival aufgrund finanzieller Probleme (das einzige Mal in seiner Geschichte) pausieren.

2001 begann das Festival wieder, fand aber im April statt, um der Hitze im Oktober entgegenzuwirken. Trotz Headlinern wie Fat Boy Slim und Paul Oakenfold (bis jetzt wusste ich nicht wer das war) sah die Zukunft nicht so rosig aus wie heute. Erst 2002, als Oasis und die Chemical Brothers wieder auf der Bühne standen, konnten die Veranstalter keine Einbußen hinnehmen. 2003 erlangte das Festival erstmals weltweite Anerkennung. Vielleicht spielten die Auftritte der Red Hot Chili Peppers und der Beastie Boys eine kleine Rolle (hehe) und von da an ging es steil nach oben:

 

2004: Coachella war erstmals ausverkauft.  

2006: Madonna als Headliner, definitiv schlimmer.

2007: Verlängerung des Festivals auf drei Tage.

 

Stars, Stars, Stars

 

2012 gab es einen DER Coachella-Momente überhaupt und wohl einer jener Momente, die Hip Hop-Fans auch heute noch die Tränen in die Augen treiben. 2Pac lebt!! Zumindest für ein paar Minuten. Dr. Dre und Snoop Dogg haben 2Pac wieder auf die Bühne gebracht während ihrer Performance als Hologramm. Es war auch das erste Mal, dass das Festival an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden stattfand. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Festival von Jahr zu Jahr. Das Line-Up umfasste zahlreiche Jahreshighlights wie Pharell Williams, Nas, AC/DC, The Weeknd, Drake, Lady Gaga, Kendrick Lamar und 2018 Eminem und Beyonce, der eine der härtesten Coachella-Auftritte aller Zeiten aufführte.

Auch die letzten beiden Wochenenden sorgten wieder für pure Spannung. Künstler wie Childish Gambino, J. Balvin, Kid Cudi, Kanye West, Ariana Grande (einschließlich Gastauftritten von Justin Bieber und Nicki Minaj), Pusha T und viele mehr sind dieses Jahr aufgetreten. Ich wäre wahrscheinlich bei einigen Gigs verrückt geworden, wie zum Beispiel Will Smiths Gastauftritt mit seinem Sohn Jaden oder Kanyes Sonntagsdienste.


Fotos: Childish Gambino, Tame Impala (Sänger Kevin Parker, abgebildet) und Ariana Grande werden die Coachella 2019 als Headliner sein. (John Salangsang/Invision/AP | Hugo Marie / EPA | Eric Liebowitz/NBC)

Festival at what price?

Aber zurück zu "Von unten anfangen, jetzt sind wir da". Ist der „normale“ Festivalbesucher überhaupt da, wo er sein möchte? Kann ich leider nicht beurteilen, da ich weder auf der Coachella noch auf irgendeinem anderen Festival war. Aber das perfekte Coachella-Festival wird von anderen, die schon dabei waren, entlarvt. 2018 zum Beispiel der Influencer "Luisalion" in einem Post kritisiert dass sich die meisten Leute gar nicht für die Musik interessieren, sondern nur für die Outfits, die Kooperationen, die Partys und die perfekte Eigenproduktion (luisalion war auch dieses Jahr wieder dabei, aber ohne Kooperationen zu pushen). Sophia Thomalla drückte in einem Post auch ihren Unmut aus. Neben diesen Kritikpunkten gibt es auch den Preis, der sicherlich viel höher ist als der Preis bei anderen Festivals (NOIZZ hat es hier aufgelistet). Auch der Veranstalter Philip Anschutz wird kritisiert. Er soll also die Waffenlobby in den USA unterstützen und Gegner der LGBTQ-Community sein. Cara Delevingne rief sogar zum Boykott unter #NOchella auf. 

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche positive Berichte über die Coachella. Da ich noch nie auf der Coachella war, kann ich nicht beurteilen, wie es dort ist. Man muss nur dort gewesen sein, um zu wissen, ob sich der Besuch lohnt oder ob man einfach nur genervt von der ganzen Produktion ist. Da ich aber sowieso kein Fan des heutigen Instagram Fake Madness bin, weiß ich nicht, ob ich auf der Coachella an der richtigen Stelle wäre. Wenn ich auf Konzerten bin, ficke ich mich regelmäßig über die Leute, die das ganze Konzert über ihre Handys verfolgen und/oder alles auf Snapchat aufzeichnen (natürlich filme ich auch einige Songs, aber die meisten werden nur angeschaut). Was die Musik angeht, wäre die Coachella wahrscheinlich das perfekte Festival für mich neben dem Frauenfeld Festival und gerade deswegen würde ich es gerne besuchen. Würde ich danach noch einmal dorthin wollen? Ich weiß es nicht. Würde ich mich zu einem inszenierten Bild vor dem Riesenrad hinreißen lassen? Nein.

 

JH